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Für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Wettingen

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Für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Wettingen

Beschreibung:

Wir fordern ein besseres Kinderbetreuungsangebot in Wettingen, insbesondere auf Kindergartenstufe. Das neue Kinderbetreuungsgesetz des Kantons Aargau war von den Gemeinden per Sommer 2018 umzusetzen und lässt Spielraum zu. In Wettingen gibt es jedoch immer noch erhebliche Lücken:

● Informationen über das bestehende Betreuungsangebot sind kaum verfügbar
● Es gibt Wartefristen für einen Betreuungsplatz von bis zu acht Monaten
● Zwischen Schulhaus und Mittagstisch sind 4-jährige Kinder alleine im Strassenverkehr unterwegs
● Am Mittagstisch ist die Betreuung nicht zufriedenstellend
● Die Gemeinde macht keine Qualitätskontrollen

Mit dem aktuellen Angebot können Eltern nicht mit gutem Gewissen einer Arbeit ausser Haus nachgehen. Langfristig generieren sie Sozialkosten, weil sie ohne Erwerbsarbeit die eigene Vorsorgelösung nicht einzahlen. Es entgehen der Arbeitswelt Fachkräfte und der Gemeinde Steuereinnahmen.

Vorgeschlagene Lösung:

● Verbesserung des Anmeldeverfahrens
● mehr Betreuungsplätze, insbesondere im Altenburg und Margeläcker
● Schülerlotsen und Freiwillige für die Begleitung an Knotenpunkten
● Einführung einer Qualitätsmessung, bspw. 50 Stichprobe-Umfragen pro Jahr
● zeitgemässe Definition von bedarfsgerechter Betreuung

Dies kann ohne grosse Kosten umgesetzt werden. Es gibt viele Fachstellen, die der Gemeinde beratend zur Verfügung stehen. Die Unterschreibenden wünschen sich ein stärkeres Engagement der Gemeinde für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Wettingen ist unter den jetzigen Umständen nicht «familienfreundlich».

Offizielle Antwort:

Der Gemeinderat Wettingen nimmt in folgender Weise zur Petition Stellung:

a) Kaum verfügbare Informationen

Informationen zu den Tagesstrukturen sind für alle Interessierten via Internet abrufbar (http://www.wettingen.ch/de/bildung/kinderbetreuung/). Dort sind die Kontaktdaten der verschiedenen Anbieter, Subventionsanträge, Tarifordnung usw. aufgeführt. Weiter stellen die einzelnen Anbieter im Internet umfangreiche Informationen zur Verfügung. Es ist ihnen als privatrechtliche Institutionen freigestellt, was sie publizieren.

An den Einschulungs-Elternabenden gibt es jeweils einen zusätzlichen Informationsblock für alle, welche an den Tagesstrukturen interessiert sind. Gerade Anfang Januar 2019 hat im Schulhaus Altenburg ein solcher Informationsanlass stattgefunden. Von den 300 anwesenden Eltern haben sich 60 für die Angebote der Tagesstrukturen interessiert.

b) Wartefristen

Einige Eltern gehen immer noch von langen Wartelisten aus. Dies war früher tatsächlich auch der Fall, ist aber schon länger nicht mehr so. Aktuell gibt es gerade drei Kinder, die auf einen Platz in den Tagesstrukturen warten. Für diese Kinder ist aber erst vor wenigen Wochen eine Anmeldung erfolgt. In den letzten Jahren konnte für alle angemeldeten Kinder ein Platz in den Tagesstrukturen gefunden werden. Es gibt nur vereinzelt Wartezeiten für Kinder, welche sich unter dem Jahr anmelden und dazu einen bestimmten Wochentag und Standort benötigen.

c) Bewältigung des Strassenverkehrs

In Wettingen sind die Wege sehr kurz, insbesondere zu den Tagesstrukturen. Im Normalfall sind diese auf dem Gelände der Schule untergebracht. Dort entfallen gefährliche Schulwegsituationen. Aktuell können sechs Schulkinder aus Platzgründen nicht am Standort Altenburg betreut werden. Sie müssen durch ein Wohnquartier mit 30er-Zone zum Bezirksschulgebäude gehen. Um die Sicherheit über die Alberich Zwyssigstrasse zu gewährleisten, werden sie jeweils von einer Betreuerin auf der anderen Strassenseite abgeholt. Zwei weitere Kinder müssen vom Dorf zum Kindergarten Langäcker gehen, auch dieser Weg führt durch ein Quartier mit 30er-Zone. In der Anfangsphase werden auch diese abgeholt bzw. begleitet. Kindergartenkinder sind in der Lage, eine Strecke durch ein Wohnquartier ohne fremde Hilfe zu meistern. Beim Queren von Strassen ausserhalb der 30er-Zone werden sie von den Tagesstrukturen unterstützt.

Es bleibt festzuhalten, dass die Bewältigung des Schulwegs in der Verantwortung von Kind und Eltern liegt. Zum allgemeinen Schulweg ist es so, dass in Wettingen seit einigen Jahren kein Lotsendienst mehr zur Verfügung steht. Früher wurde diese Aufgabe durch die Oberstufen-Schüler übernommen, was aufgrund der heutigen Rechtsgrundlage jedoch nicht mehr möglich ist. Die Gemeinde Wettingen bietet an, Elternvereine u. U. beim Aufbau eines Lotsendienstes entsprechend mit Material und Ausbildung zu unterstützen.

d) Fehlende Qualitätskontrollen

Die Gemeinde Wettingen ist gestützt auf die Verordnung über die Aufnahme von Pflegekindern (Pflegekinderverordnung, PAVO) und das Kinderbetreuungsgesetz (KiBeG) verpflichtet, alle Anbieter von Tagesstrukturen und Kindertagesstätten regelmässig zu kontrollieren. Der Gemeinderat hat dazu entsprechende Qualitätsrichtlinien erlassen. Mit dieser Aufgabe wer-den externe Fachleute betraut, welche die Kontrolle in einem Bericht festhalten. Ohne solche Kontrollen können keine Betriebsbewilligungen ausgestellt werden. Sollten bei einem Standort Mängel festgestellt werden, führt dies zu Nachkontrollen bzw. bis zu einem Entzug der Betriebsbewilligung.

e) Anmeldeverfahren

Beim Anmeldeprozedere müssen die Tagesstrukturen die endgültigen Stundenpläne der Schule abwarten, um die Anmeldungen definitiv zu bestätigen. Aufgrund der Klassenzusammenstellungen, der Promotionen und der Bewilligung der Klassen durch das BKS kann die Schule die Stundenpläne nicht früher fertigstellen. Es wurde bereits ein Verfahren mit früherem Anmeldetermin ausprobiert. Schlussendlich war es ein grosser Mehraufwand und die Eltern hatten trotzdem keine Sicherheit, da die Anmeldung nicht endgültig bestätigt werden konnte. Daher definiert die Gemeinde Wettingen einen Stichtag im Juni für die Anmeldung. Damit haben alle Familien dieselben Bedingungen. Dies mag gewissen Eltern als sehr spät erscheinen. Es kann aber bestätigt werden, dass in den letzten Jahren für alle angemeldeten Kinder ein Platz gefunden werden konnte. Eine Umfrage bei anderen grossen Schulen im Kanton Aargau (Aarau, Baden, Wohlen) hat gezeigt, dass die Stundenpläne nicht vor Juni herausgegeben werden können.

Mit der Umsetzung des Neuen Aargauer Lehrplans steigen in einzelnen Schulstufen die Lektionenzahlen, zudem delegiert das BKS mit der Neuen Ressourcierung Volksschule die Strukturentscheide an die Schulen. Damit fallen die Bewilligungen durch das BKS weg und es wird Auswirkungen auf den Stundenplan haben. Die Schule beabsichtigt, sog. Rasterpläne einzuführen. Eine Umsetzung dieses Vorhabens ist aber auf das Schuljahr 2019/2020 noch nicht möglich. Es ist geplant, dies mit dem Neuen Aargauer Lehrplan auf das Schuljahr 2020/2021 zu realisieren. Kann dies realisiert werden, hat dies entsprechende Auswirkungen auf den Anmeldeprozess bei den Tagesstrukturen.

Es ist offensichtlich, dass unter dem Begriff "bedarfsgerecht" viel verstanden werden kann. Die Gemeinde Wettingen ist der Meinung, dass ab sieben angemeldeten Kindern ein Bedarf ausgewiesen ist und ein entsprechendes Angebot geschaffen wird. Leider mussten einige Angebote aufgrund von zu wenigen Anmeldungen wieder geschlossen werden. Das gilt ins-besondere für die Früh- und die Ferienbetreuung. Auf der anderen Seite gibt es eine grosse Nachfrage am Standort Altenburg. In diesem Bereich werden die Kapazitäten laufend ausgebaut. Wie oben erwähnt ist beabsichtigt, auch in Zukunft allen Kindern einen Platz zu bieten. Dafür arbeiten alle Beteiligten sehr hart.

Sollte die Gemeinde Wettingen tiefere Minimalvorgaben machen und jedem Kind einen Platz am gewünschten Standort und am gewünschten Tag garantieren wollen, müssten die Eltern und Steuerzahler viel Geld für Betreuungsplätze bezahlen, welche schlussendlich nicht besetzt werden. Es ist sinnvoller, das Geld für die Kinder auszugeben, welche wirklich einen Platz benötigen. Dasselbe gilt für Versorgungsquoten. Würden solche eingeführt, gäbe es an gewissen Standorten leere Plätze und an anderen massiv zu wenig. Es ist nicht vorstellbar, dass damit ein Mehrwert gegenüber dem heutigen System geschaffen würde.

Fazit:

Zum Schluss ist festzuhalten, dass Wettingen viel für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf tut. So existieren Tagesstrukturen, welche eine freie Wahl von Betreuungstagen, Mittagstisch und Frühbetreuung ermöglichen. Jede Familie kann für sich entscheiden, wann das Kind zu-hause betreut wird und wann es in eine Tagesstruktur soll. Die Anbieter von Kitas und den Tagesstrukturen sind sehr flexibel und ermöglichen auch unter dem Jahr Anpassungen an die wechselnden Bedürfnisse der Familien. Sie leisten täglich einen grossen Einsatz zum Wohl der betreuten Kinder und damit zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Allen Beteiligten in diesem Thema wird für das grosse Engagement gedankt.

Schulpflege und Gemeinderat haben für diese Legislatur den Aufbau einer Tagesschule in Angriff genommen. Das wird das Angebot insbesondere für Eltern, welche ihre Kinder während der ganzen Woche fremdbetreuen lassen möchten, beträchtlich erweitern. Der weitere Ausbau der Tagesstrukturen an den gut besuchten Standorten wird vorangetrieben. Wettingen investiert annähernd zwei Millionen Franken für die Tagesstrukturen, die Kitas und die Subventionierung schwächer gestellter Familien. Wettingen ist familienfreundlich, das zeigt auch die weitere Zunahme von Schülerinnen und Schülern an der Wettinger Schule. Familien ziehen nach Wettingen oder sie bleiben in Wettingen. Das ist ein klares Zeichen für eine kinderfreundliche Gemeinde und gut ausgebaute, adäquate Betreuungsstrukturen.

Gemeinderat Wettingen