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Dosierung Stau in Wildegg

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Dosierung Stau in Wildegg

Beschreibung:

Für die Verkehrssituation im Zentrum von Wildegg wurden zusätzlich, es hat bereits zwei Kreisel, noch Lichtsignale aufgestellt von Seite Auenstein, Niederlenz, Möriken und Holderbank. Diese sollen bewirken das es eine Dosierung für den Stau gibt. Bevor diese Lichtsignale montiert wurden gab es immer ein gut funktionierendes Reissverschlusssystem, auch wurde der ÖV nicht übermässig lange aufgehalten. Seit den Signalen gibt es immer wieder starken Rückstau, welcher auch die ÖV länger aufhalten. Manchmal ist ein Lichtsignal rot wenn auf der Hauptachse kaum Verkehr besteht. Diese Massnahme ist ein Hindernis und keine Erleichterung, man hört es ja auch morgentlich im Radio Argovia.

Vorgeschlagene Lösung:

Bitte diese Lichtsignale ausser Betrieb nehmen, das Reissverschlusssystem funktioniert einwandfrei in Wildegg.

Offizielle Antwort:

Stellungnahme zur Petition "Dosierung Stau in Wildegg"

Über die Plattform petitio.ch wurde die Petition «Dosierung Stau in Wildegg» eingereicht und uns zur Beantwortung zugestellt. Für das eingebrachte Anliegen bedanken wir uns. Rückmeldungen aus der Bevölkerung sind für uns wertvoll und helfen uns, im verkehrstechnischen Betrieb Massnahmen zu überprüfen und zu optimieren. Entsprechend wichtig ist es uns, im Folgenden transparent darzulegen, aus welchen Gründen die Lichtsignalanlagen in Wildegg installiert wurden und warum die angestrebten Ziele erreicht werden konnten.

Die in Wildegg installierten Lichtsignalanlagen sind Teil des regionalen Verkehrsmanagements Lenzburg, das auf den Grundsätzen der vom Grossen Rat verabschiedeten Mobilitätsstrategie basiert. Ziel dieser Strategie ist es unter anderem, den vorhandenen Verkehrsraum durch Bewirtschaftungs- und Steuerungsmassnahmen effizienter zu nutzen. Insbesondere soll dabei der öffentliche Verkehr gestärkt und die Fahrplanstabilität verbessert werden. Darüber hinaus soll der Verkehr auf den Hauptachsen gebündelt und Ausweich- sowie Schleichverkehr reduziert werden. Beim Verkehrsmanagement geht es nicht darum, Verkehr zu reduzieren oder zu verhindern. Es geht darum, den Verkehr gezielter zu lenken, sodass sich Stau an Orten bildet, wo die negativen Auswirkungen auf das Gesamtsystem geringer sind. Dadurch soll das Verkehrssystem auch im Überlastungsfall – bspw. während den Spitzenzeiten – möglichst stabil bleiben und die Anschlüsse des öffentlichen Verkehrs zuverlässig gewährleistet werden.

In Wildegg erfolgte die Umsetzung dieser Ziele ohne zusätzlichen Flächenbedarf, mit reinen Steuerungs- und Bewirtschaftungsmassnahmen. Entsprechend bleibt die begrenzte Kapazität des leistungsbestimmenden Zentrumskreisels auch mit den Lichtsignalanlagen unverändert. Jedoch kann mit den neuen Anlagen die vorhandene Gesamtkapazität zwischen den Zufahrtsachsen neu verteilt werden. Während einige Fahrbeziehungen von den Massnahmen profitieren, lässt es sich nicht vermeiden, dass einzelne Zufahrten – wie beispielsweise die Jurastrasse – eine leichte Verschlechterung erfahren. Die Bewertung der Massnahmen erfolgt jedoch nicht auf Basis einzelner Streckenabschnitte oder persönlicher Eindrücke, sondern anhand systematischer Verkehrsanalysen und Datenauswertungen für das Gesamtsystem. Zu diesem Zweck wurden für mehrere Zeiträume umfangreiche Verkehrserhebungen durchgeführt, ausgewertet und miteinander verglichen. Diese Resultate zeigen, dass die angestrebten Ziele erreicht und die Verkehrsverhältnisse im Gesamtbild verbessert werden konnten.

Ergebnisse und Einordnung

Besonders deutlich zeigt sich die Wirkung der Massnahmen bei den Reisezeiten des öffentlichen Verkehrs. Vor der Inbetriebnahme der Lichtsignalanlagen stand der Bus aus Möriken im Stau, was regelmässig zu erheblichen Verspätungen führte. Mit den neuen Ampeln konnten die Verlustzeiten nahezu vollständig eliminiert werden. Auch bei hohem Verkehrsaufkommen bleiben die Fahrzeiten der Busse stabil, was die Pünktlichkeit erhöht und die Zuverlässigkeit des öV-Angebots deutlich verbessert.

Auch die Leistungsfähigkeit auf der Hauptverkehrsachse K112 zwischen Schinznach-Bad und Brugg wurde durch die Dosierung der Jurastrasse gesteigert. In der abendlichen Spitzenstunde verkehren knapp 100 Fahrzeuge mehr auf der Bruggerstrasse als zuvor, was einer Zunahme von rund 20 Prozent entspricht. Die durchschnittlichen Reisezeiten auf diesem Abschnitt wurden im betrachteten Zeitraum um rund 4,5 Minuten gesenkt. Dies führte zu einer Rückverlagerung des Ausweichverkehrs durch Veltheim: An der entsprechenden Zählstelle auf der gegenüberliegenden Aaretalseite ist eine deutliche Abnahme des Verkehrsaufkommens erkennbar. Auch der Schleichverkehr durch Wohnquartiere – etwa über die Hellgasse oder die Lauestrasse in Wildegg – wurde reduziert.

Um ein noch besseres Bild über die Wirkung der Lichtsignalanlagen zu erlangen, wurden diese im Dezember 2024 gezielt ausgeschaltet, um die Verkehrszustände erneut zu vergleichen. Bei der Abschaltung der Lichtsignalanlage zeigt sich einerseits, dass der Bus ohne die Lichtsignalanlagen erneut erhebliche Verlustzeiten erlitt. Andererseits waren die Rückstaus und Zeitverluste auf den Zufahrtsachsen ebenso ausgeprägt oder gar noch grösser als mit den eingeschalteten Lichtsignalanlagen. Dies zeigt: Die neuen Lichtsignalanlagen sind nicht die Ursache für Stau in Wildegg, sondern helfen, die Verkehrsabläufe und die Busreisezeiten insbesondere während den Spitzenzeiten zu stabilisieren.

Zusammenfassend zeigt sich, dass mit den in Wildegg umgesetzten Massnahmen sowohl die Vorgaben der Mobilitätsstrategie als auch die gesetzten Ziele erreicht werden konnten und sich die verkehrliche Gesamtsituation verbessert hat. Gleichzeitig ist festzuhalten, dass Verkehrsmanagement keine Verkehrsprobleme auflöst oder Staus beseitigt. Vielmehr geht es um eine Neuanordnung von Kapazitäten und eine veränderte Priorisierung. Entsprechend gibt es Verkehrsbeziehungen, die von den Massnahmen profitieren und solche, die durch die Massnahmen eine leichte Verschlechterung erfahren.

Trotzdem können wir den geäusserten Unmut nachvollziehen und nehmen die in der Petition geschilderten Wahrnehmungen ernst. Kritik, Anregungen und die öffentliche Diskussion sind ein wichtiger Bestandteil der Weiterentwicklung unserer Verkehrsinfrastrukturen. Wir sind uns bewusst, dass die komplexen und übergeordneten Zusammenhänge von Verkehrsmanagementmassnahmen für die Verkehrsleitnehmenden nicht immer einfach ersichtlich und zu verstehen sind. Umso mehr ist es uns ein Anliegen, die Funktionsweise der Anlagen sowie die Ergebnisse der Wirkungskontrolle vertieft zu erläutern. Gerne bieten wir dem Petitionär, Herrn René Bieri, hierzu ein persönliches Gespräch an und sind gerne bereit, seine Fragen zu beantworten.

KANTON AARGAU Departement Bau, Verkehr und Umwelt, Franziska Baumgartner, Leiterin Sektion Verkehrstechnik, Daniel Merz, Projektleiter VM Lenzburg, 5001 Aarau